Die Schaufensterkrankheit -
Beinschmerz durch Arterienverschluss

Nicht selten werden Beinbeschwerden durch verengte oder verschlossene Pulsadern, den Arterien, verursacht. Herr Dieter Schäfer (Name geändert) stellte sich einmal in der Gefäßsprechstunde mit der Frage vor, ob Durchblutungsstörungen am Bein die Ursache seiner Beschwerden sein können. Schmerzen in der rechten Hüfte gab er an, die erst beim Gehen auftraten und dann in den Oberschenkel und später in die Wade ausstrahlten. Vor einem halben Jahr hatte er die Schmerzen erstmals bemerkt, in der letzten Zeit wurde es immer schlimmer. Er kann mittlerweile keine 100 Meter mehr schmerzfrei gehen, bergauf setzen die Beschwerden sogar viel früher ein. Da in der Hausarztpraxis bereits Durchblutungsstörungen vermutet wurden erfolgte die Zuweisung.

Die Arteriosklerose, also die Arterienverhärtung und –verstopfung durch Ablagerungen, ist eine Volkskrankheit. Sie betrifft überwiegend Menschen jenseits der Lebensmitte. Zu den wichtigsten Risikofaktoren dieser Erkrankung gehören der Bluthochdruck, erhöhte Cholesterin- und Blutfettwerte, das Rauchen und der Diabetes. Erhöhte Harnsäurewerte oder erbliche Faktoren können auch eine Rolle spielen. Häufige Symptome sind Beinschmerzen nach kurzer Gehstrecke, die dann zur Pause zwingen. Aus Verlegenheit werden dann, je nach Situation, die Auslagen eines Geschäftes betrachtet, daher der Name „Schaufensterkrankheit“. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass die Gehbeschwerden erst nach einiger Zeit einsetzen. Anders verhält es sich beispielsweise bei der Hüft- oder Kniearthrose, also dem Gelenkverschleiß. Hier ist besonders der Gehstart für viele Betroffene beschwerlich.

Um die Diagnose der arteriellen Verschlusskrankheit (AVK) zu sichern, braucht es neben der körperlichen Untersuchung meist den Doppler und den Farbultraschall. Mit Spezialuntersuchungen wie MRT (Magnetresonanz-Tomographie), CT oder einer Angiographie können sehr gute Übersichtsbilder der Arterien erstellt werden. Diese Aufnahmen dienen dazu, die individuelle Behandlung planen.

Je nach erhobener Diagnose kommt von Fall zu Fall eine konservative Behandlung mit Medikamenteneinstellung und Gehtraining infrage. In vielen Situationen kann eine verengte Arterie mit einem Ballon oder mit einem Stent, einem Drahtröhrchen als innere Gefäßstütze, geweitet werden. Falls diese Möglichkeiten nicht zum Erfolg führen, ist auch manchmal eine Operation an den Arterien erforderlich.

Bei Herrn Schäfer, dem eingangs geschilderten Falls, hatte das MRT eine hochgradige Verengung der rechten Beckenschlagader ergeben. In örtlicher Betäubung wurde ein Stent gesetzt, damit konnte die verengte Arterie geweitet werden. Herr Schäfer war dazu zwei Tage im Krankenhaus, mit diesem Eingriff konnte ihm gut geholfen werden.

 

Über den Autor

Dr. med. Jörg Bindewald
Dr. med. Jörg Bindewald
Aktuelle Ausgabe2/2019