ANÄSTHESIE bei Parkinson (I)

Kleine oder größere operative Eingriffe können für jeden von uns notwendig werden. Gesunde habe damit in der Regel wenig Probleme; anders bei Parkinson-Erkrankten. Durch die umfangreiche symptomatische Parkinson-Medikation und auch durch die Krankheit selbst können um und bei der Narkose Probleme auftreten. Um diesen vorzubeugen bzw. sie zu verhindern, ist das Wissen um die Narkose selbst und den richtigen Umgang mit den Parkinson-Medikamenten in der Zeit vor und nach der Narkose entscheidend für einen erfolgreichen Verlauf der Operation ohne Angst vor einer Verschlchterung der Beweglichkeit.

Wissenswertes zur Narkose allgemein

Die Narkose oder auch Allgemeinanästhesie hat die Aufgabe, einen operativen oder diagnostischen Eingriff für den Betroffenen schmerzfrei zu ermöglichen. Dabei kommt das Wort „Anästhesie“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „ohne Wahrnehmung“. In der Medizin versteht man unter Anästhesie einen Zustand der Schmerz- und Empfindungslosigkeit, umgangssprachlich spricht man von Betäubung.

Formen der Anästhesie

Es gibt verschiedene Formen der Anästhesie, die Einteilung erfolgt nach der Art und dem Ort des operativen Eingriffs sowie nach dem Zugangsweg.

Anästhesieformen:

  1. Lokalanästhesie (LA)

  2. Allgemeinanästhesie (AA)

  3. Kombinationsanästhesie (LA + AA)

Lokalanästhesie (LA) – örtliche Betäubung

Unter Lokalanästhesie versteht man eine örtliche Betäubung, auch Teilnarkose genannt. Dabei wird die Schmerzwahrnehmung in einem begrenzten Gebiet der Haut oder eines Arm- oder Bein-Nerven durch Ausschaltung der Schmerzempfindung und – weiterleitung unterbrochen. Dies geschieht durch bestimmte Medikamente, sogenannte Lokalanästhetika, die direkt an den Nerv oder unter die Haut gespritzt werden. Bei einer Lokalanästhesie ist der Patient bei Bewusstsein, aber schmerzfrei. Im Gegensatz zur Vollnarkose ist die LA weniger belastend für den Patienten und risikoärmer, jedoch nicht für jeden Eingriff geeignet.

In Abhängigkeit von der Größe des zu betäubenden Körperbereiches und der Art der Injektion unterscheidet man zwischen Oberflächenanästhesie, Infiltrationsanästhesie, Leitungsanästhesie, intravenöse Regionalanästhesie und Spinal- und Periduralanästhesie. Je nach Größe des betäubten Haut- oder Nervenbereiches ist nicht nur die Schmerzwahrnehmung aufgehoben, sondern auch das Tast- und Temperaturempfinden und die Muskelkraft. Das heisst, dass vorübergegehend auch der zugehörige Muskel gelähmt ist.

Oberflächenanästhesie

Auftragen des Lokalanästhetikums (LA) auf die Haut oder Schleimhaut.

Beispiel: Verwendung von Lösungen, Sprays, Gel oder Salben, um z.B. die Haut oder Schleimhaut für eine kurze Zeit zu betäuben, z.B. einsprühen der Mundschleimhaut vor einem Zahneingriff, Auftragen einer Salbe vor einer kleinen Schönheitsbehandlung oder zur Linderung der Schmerzen bei Hämorrhoiden, Einbringen eines Gels vor dem Legen eines Blasenkatheters usw.

Probleme bei Parkinson: keine (individuelle Unverträglichkeiten ausgenommen)

Infiltrationsanästhesie

Einspritzen des LA unter die Haut oder in das Gewebe

Beispiel: Verwendung von Lokalanästhetika (Ampullen zur Injektion) zum Ausschalten des Schmerzes beim Zahnarzt

Probleme bei Parkinson: Nach Einspritzen des Lokalanästhetikums unter die Haut verteilt sich das Mittel im Gewebe und kommt so in die Nähe der Nerven. Um das schnelle Abfluten des Medikamentes in die Blutbahn und damit eine Wirkung im ganzen Körper zu verhindern und die Wirkung vor Ort zu verlängern, werden diese Lokalanästhetika oft mit Medikamenten kombiniert, welche die Blutgefäße eng stellen, z.B. Adrenalin (Vasokonstriktoren).

  • Bei Parkinson bitte auf Lokalanästhetika mit Adrenalinzusatz verzichten:

Bei Patienten mit Morbus Parkinson und einer Therapie mit L-Dopa besteht eine besondere Empfindlichkeit des Herzmuskels gegenüber Adrenalin. Aus diesem Grund sollte auf Mittel mit einem Adrenalin-Zusatz verzichtet werden. Viele Patienten werden zudem mit einem COMT-Hemmer (Entacapon, Tolcapon, Opicapon) behandelt. Diese führen zu einer vorübergehenden Blockade der Catechol-O-Methyltransferase, welche verschiedene Botenstoffe im Körper abbaut, u.a. auch Dopamin. Da Adrenalin ebenfalls über dieses Enzym abgebaut wird, kann die Adrenalinkonzentration im Blut steigen. Dadurch kann es zu einem Anstieg des Blutdrucks und der Herzfrequenz kommen.

Für zahnmedizinische Eingriffe sind LA ohne Adrenalinzusatz geeignet,

z.B. Mepivacain oder Carticain.

Regionalanästhesie:

Leitungsanästhesie: Blockade eines großen Nerven im Arm oder Bein. Das LA wird mit Hilfe einer Nadel direkt in die Nähe des Nerven gespritzt.

Plexusanästhesie: Das Wort „Plexus“ steht für Nervengeflecht. Bei dieser Form der Anästhesie wird also nicht nur ein Nerv, sondern ein ganzes Nervengeflecht betäubt. Solche Nervengeflechte gibt es für die Arme und Beine, für das Becken.

Spinal- und Periduralanästhesie: Hier wird das LA in die Nähe von Nervenwurzeln im Rückenmark gespritzt. Sie unterscheiden sich durch die Eindringtiefe im Rückenmarkkanal. Bei der Spinalanästhesie dringt die Kanüle bis in das Nervenwasser im Kanal vor und vermischt sich mit diesem. Dadurch wird die komplette darunter liegende Körperhälfte betäubt. Bei der Peridualanästhesie liegt die Nadel nicht so tief, sondern im Fettgewebe, welches die Kanalhülle umgibt. Hier werden die Nervenwurzel nur auf Höhe des Einstichs der Nadel betäubt.

Beispiel: Blockade des Plexus brachialis (Armnervengeflecht) bei einer Operation an der Hand, Spinalanästhesie im Lendenwirbelsäulenbereich für operative Eingriffe im Bereich der Beine oder Füße

Probleme bei Parkinson: Da sich Adrenalin bei diesen Verfahren nicht bewährt hat, sind die hier verwendeten Lokalanästhetika in der Regel ohne Adrenalinzusatz und deshalb bezüglich Parkinson unproblematisch.

Über den Autor

Dr. med. Ilona Csoti
Dr. med. Ilona Csoti
Ärztliche Direktorin
Gertrudisklinik Biskirchen
Aktuelle Ausgabe2/2018