COPD - Häufige Fragen zur Physiotherapie bei COPD

Wie kann die Physiotherapie mir helfen?

Nach ärztlicher Abklärung der Erkrankung kann der Arzt physiotherapeutische Atemtherapie verordnen, die verschiedene Zielsetzungen und Maßnahmen beinhaltet, welche passiver oder aktiver Art sind. Sie erlernen mit Hilfe des Physiotherapeuten ein individuelles, effizientes Eigenübungsprogramm, das Ihnen ermöglicht, die atemerleichternden Maßnahmen und die Kräftigungsübungen zu Hause täglich selbstständig fortzuführen.

Welche Fähigkeiten werden geschult?

Als erstes die Atemwahrnehmung. Sie vermittelt Ihnen eine Bewusstmachung des Atemweges und der Atembewegung. Dies ermöglicht Ihnen, Ihren Atem bis in den Bauchraum zu lenken und die sonst eher oberflächliche Atemweise zu vertiefen.

Wie werde ich den zähen Schleim los?

Die Mobilisation des oft zähen Schleims (Sekret) kann durch gezielte Wärmeanwendung, wie z.B. die Heiße Rolle, Ausstreichungen der Zwischenrippenräume durch den Therapeuten, reflektorisch wirkende Grifftechniken sowie Phonatmung, Dehnlagerungen und Vibrationen, verbessert werden.

Die Vibrationen können manual als auch per Vibrationstraining auf unserem Vibrafit-Gerät erfolgen. An diesem Vibrationsgerät kann man Schwingungen im Bereich von 25Hz einstellen, die beim stehenden oder sitzenden Patienten durch Vibrationen den Schleim in den Bronchien lösen. Die Dauer der Anwendung beträgt im Intervall ca. 3 x 1-2 Minuten und kann in die Therapie eingebaut werden

Was tun, wenn die Luft knapp wird?

Zusätzlich zu den vom Arzt verordneten Medikamenten erlernen Sie in der Atemtherapie atemerleichternde Entlastungshaltungen (z.B. den Kutschersitz) sowie Atem- und Hustentechniken, um produktiv abhusten zu können. So kann ein Verkrampfen der Bronchien verhindert werden.

Mein Oberkörper fühlt sich steif und unbeweglich an. Was kann ich tun?

Je nach Dauer und Schweregrad der COPD verschlechtert sich die Beweglichkeit des Brustkorbes und der kleinen Wirbelgelenke und somit die Beweglichkeit der Atemmuskulatur, mit negativem Einfluss auf die Atemkapazität.

Gezielte, vorsichtige Mobilisationen der Brustwirbelsäule und der Rippen durch Dreh-/Dehnlagerungen, physiotherapeutische Übungen, Ausstreichungen und Eigendehnungen der verkürzten Muskulatur, erhöhen die Beweglichkeit, erleichtern Ihnen die Atmung und entspannen die Atemhilfsmuskulatur.

Ich fühle mich häufig müde und schlapp. Woran liegt das?

Zum einen kann das an der eingeschränkten Sauerstoffversorgung liegen. Zum anderen kann der damit häufig verbundene Bewegungsmangel zum Abbau Ihrer Haltungsmuskulatur führen.

Deshalb ist ein weiterer wichtiger Anteil der Atemtherapie die Haltungsschulung, in der die Haltungs- und die Atemmuskeln mit Hilfe von physiotherapeutischen Übungen trainiert werden.

Seit einiger Zeit geht Urin beim Husten ab. Was kann ich tun?

Bedingt durch den Husten steigt der Druck im Bauchraum und schwächt so den Beckenbodenmuskel. Als Folge kann der Urin oder Stuhl nicht mehr gehalten werden. Ein spezielles Training des Beckenbodens kann helfen, damit dieser reflektorisch beim Husten wieder gegenhalten kann. Beckenbodentraining kann sowohl in der Gruppe als auch als Einzelbehandlung erfolgen. Gerne beraten wir Sie im Rehazentrum kerngesund! zu Ihren Möglichkeiten.

Was kann ich sonst noch tun?

Ihr Physiotherapeut berät Sie gerne zum richtigen Umgang mit Hilfsmitteln wie Inhalator, Atemtrainer usw. Sie bekommen Informationen zur Vermeidung von hustenauslösenden Mechanismen und Sie erlernen das richtige Atmen bei Belastungen im Alltag.

Ferner gibt es im Rehazentrum kerngesund! die Möglichkeit, die oben genannten Fähigkeiten in der COPD-Gruppe (nach Rehasportverordnung vom Arzt) zu trainieren.

Was sind die Schritte zur Therapie?

Zuerst einmal ist es essentiell, dass Sie Ihre Symptome ärztlicherseits abklären lassen. Chronischer Husten mit oder ohne Auswurf kann verschiedene Ursachen haben und bedarf unbedingt der Abklärung.

Je nach Schweregrad der Lungenerkrankung kann der Arzt ein Physiotherapierezept mit Einzelbehandlungen ausstellen oder eine Rehasportverordnung für die COPD-Gruppe.

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Verordnung von KGG (Gerätetraining). KGG besteht auch als Selbstzahlerleistung, ist allerdings nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt empfehlenswert, um ein angemessenes Training zu gewährleisten.

Bei weiteren Fragen sind wir gerne Ihre Ansprechpartner.

Über den Autor

Carmen Stötzel
Carmen Stötzel
Teamleitung Physiotherapie
Rehazentrum kerngesund!, Wetzlar
Aktuelle Ausgabe3/2018