Die Wechseljahre der Frau
Ursachen, Symptome, Behandlung

Als Wechseljahre - auch Klimakterium genannt – bezeichnet man die Zeit der hormonellen Umstellung der Frau. Es handelt sich nicht um eine Erkrankung, sondern um einen natürlichen Lebensabschnitt der Frau: die fruchtbare Phase geht über in die unfruchtbare Phase. In diese Zeit fällt die allerletzte Monatsblutung. Sie wird als Menopause bezeichnet und liegt im Mittel bei 51 Jahren. Der Zeitpunkt kann aber auch bereits Anfang der 40er oder erst nach Mitte der 50er liegen. Dabei ist es interessant, dass sowohl zwischen den verschiedenen Kulturen als auch in der historischen Betrachtung das Alter für die Menopause nur wenig variiert. Bereits im chinesischen Text „Su Wen – Reine Fragen“ aus dem ersten Jahrhundert vor Christus wird das Alter von 49 Jahren genannt, nicht weit weg vom heutigen Durchschnittsalter. In der Regel ist eine Behandlung nur erforderlich, wenn durch die hormonelle Umstellung starke Beschwerden auftreten.

Was sind die Ursachen der Wechseljahre

Die Wurzel liegt in den Eierstöcken und den dort enthaltenen Follikeln, auch Ei-bläschen genannt. Sie enthalten die Eizellen, die in der Phase von der Pubertät bis zur Menopause beim Eisprung freigesetzt werden. Wenn nun die Anzahl der Follikel in den Eierstöcken abnimmt und der Eisprung ausbleibt, kommt es zu einer Abnahme der Sexualhormone Östrogen und Progesteron.

Was sind die Symptome bei Wechseljahresbeschwerden

Das herausragende Symptom sind die Hitzewallungen. Fast 75% der Frauen sind davon betroffen. Man geht von einer Störung der Temperaturregulation aus. Etwa jede dritte Frau hat so starke Beschwerden, dass ihre Lebensqualität beeinträchtigt ist. Die Beschwerden können nur wenige Jahre, aber auch bis zu 15 Jahren andauern. Im Mittel sind es 7,4 Jahre. 37% der Frauen haben auch Schlafstörungen, häufig in Verbindung mit den Hitzewallungen. Müdigkeit, Leistungsabfall und Stimmungsschwankungen sind die Folge. Frauen haben in dieser Phase ein erhöhtes Risiko für eine Depression. Ein weiteres häufiges Symptom ist Trockenheit der Scheide, teils begleitet von Juckreiz und Brennen. Diese Beschwerden werden direkt dem Hormonmangel zugeordnet. Zahlreiche weitere Symptome können auftreten, wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Gewichtszunahme, sexuelle Probleme wie etwa Unlust, Harnwegsbeschwerden, innere Unruhe, Nervosität und Reizbarkeit, reduziertes Selbstwertgefühl, depressive Verstimmung, Nachtschweiße, Herzbeschwerden und ein allgemeines Erschöpfungsgefühl. Die Summe der Beschwerden wird als klimakterisches Syndrom bezeichnet.

Was ist eine Hormontherapie

Dabei werden die Hormone zugeführt, auf deren Mangel die Beschwerden zurückgeführt werden. Der Einsatz einer Hormontherapie ist aber nicht die Regel. Er hängt ab vom Ausmaß der Beschwerden und dem Leidensdruck der Frau.

Häufig kommt eine Kombination von Östrogenen und Gestagenen zum Einsatz. Es gibt sie als Spritzen, Tabletten, Hautpflaster oder zur Verabreichung in der Scheide. Wenn eine Hormonersatztherapie erwogen wird, sollte sie möglichst früh zum Einsatz kommen. Die Wirkung der Hormontherapie vor allem auf die Hitzewallungen und Veränderung der Scheide ist gut belegt. Der Frauenarzt wird sorgfältig zwischen dem erwarteten Nutzen und möglichen Nebenwirkungen der Hormontherapie abwägen.

Was für Alternativen gibt es zur Hormontherapie

Häufig angewendete pflanzliche Mittel sind so genannte „Pflanzen-Östrogene“ aus Soja und Rotklee sowie die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa). Die Ergebnisse von Studien sind uneinheitlich und das Ansprechen auf diese Mittel scheint auch individuell unterschiedlich zu sein.

Regelmäßiges körperliches Training kann zur Verbesserung der Hitzewallungen beitragen, ebenso ein niedrigeres Körpergewicht.

Was kann die chinesische Medizin anbieten

In der chinesischen Gynäkologie haben Wechseljahresbeschwerden einen hohen Stellenwert und die Behandlung hat eine lange Tradition. Wie in der westlichen Medizin geht die chinesische Medizin bei diesen Beschwerden von einem Mangelsyndrom aus. Die genaue Diagnose wird bei einem so genannten Erstgespräch ermittelt. Die Therapie legt neben den körperlichen Symptomen wie Hitzewallungen großes Augenmerk auf das seelische Befinden. Innere Ruhe, Stimmungsaufhellung, Steigerung des Selbstwertgefühls, guter Schlaf und Gelassenheit stehen oftmals sogar im Vordergrund. Die Verbesserung der Leistungsfähigkeit ist ein weiteres Ziel. Letztendlich geht es um die gesamte Lebensqualität.

Die Behandlung besteht in der Mehrzahl der Fälle in einer Kombination aus regelmäßiger Akupunktur und der Einnahme von Heilkräutern. Die Apotheke bereitet auf Rezept eine Kräutermischung zu, die man zuhause in Wasser auflöst und trinkt. Der Wirkmechanismus besteht darin, den Mangel im Körper wieder aufzufüllen, um so die Ursache der Beschwerden zu beseitigen und die allgemeine Leistungsfähigkeit zu steigern. Die chinesische Behandlung kann gegebenenfalls auch mit einer Hormontherapie kombiniert werden.

Über den Autor

Thomas Wetzel
Thomas Wetzel
Traditionelle Chinesische Medizin, Weilburg
Aktuelle Ausgabe4/2019