Mit Kindern in den Urlaub . . .
Abenteuer garantiert

Tipps für möglichst ungetrübte Ferientage

Reisen – in die nahe Umgebung oder weite Ferne - ist eine unserer beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Ob Kinder oder Enkel, der Nachwuchs gehört dazu und die gemeinsame Zeit soll möglichst harmonisch verlaufen. Ferien mit Kindern ist immer etwas Besonders: Garniert und garantiert mit Überraschungen. Eine frühzeitige und sorgfältige – möglichst gemeinsame - Planung zahlt sich in jedem Fall aus.

Säuglinge brauchen in sicherer Geborgenheit ihre regelmäßige, liebevolle Zuwendung mit Trinken, Füttern, wohlige Sauberkeit und viel Schlaf. Sie müssen sich in der neuen Umgebung akklimatisieren, ansonsten sind nächtliche Unruhe, Schreiphasen in allen Varianten vorprogrammiert. Frühgeborene, Neugeborene oder junge Säuglinge bringen lange Flugfernreisen meist aus ihrem gewohnten Rhythmus, wobei Füttern und die Körperpflege heutzutage eher geringe Sorgen bereiten. Druckschwankungen und trockene „recycelte“ Luft bergen im beengten Kabinenraum besondere Risiken für Herz- und Atemwegspatienten sowie kaum kalkulierbare Infektionsgefahr. Regelmäßiges Trinken und abschwellende Sgl.-Nasentropfen helfen gegen schmerzhaften Mittelohrdruck. Sofern die Flugreise vor dem 2. Lebensmonat unaufschiebbar ist, bitte über spezielle Risiken mit ihrem Kinder-Jugendarzt sprechen. Bei konkreter Rat- und Hilfesuche vor Ort sind Fluggesellschaften auch auf diese junge Kundschaft meist gut eingestellt.

Langeweile „sind wir schon da . . . wie lange dauert´s denn noch?“

Diese nervige Quengelei ist allen Eltern vertraut, sie können ihr jedoch durch mannigfaltige alters- und entwicklungsgerechte, aktive und passive Anregungen vorbeugen: Alte und neue Bilder/ Vorlesebücher, gemeinsames Singen, allseits geliebte Computer (Laptop und Smart Phone) sowie Karten/ Brettspiele auch Denk/ Aufmerksamkeits - oder Fingerspiele bieten abwechslungsreiche Beschäftigung und Ablenkung. Regelmäßiges Trinken eher zurückhaltend mit „Süßem“ sowie kleine gesunde Snacks samt Obst aller Sorten als Zwischenmahlzeit halten Kinder bei guter Laune. Autostops spätestens nach 2 Stunden bieten Gelegenheit zum Toben und Durchatmen. „Gezielte“ gemeinsame Entspannungsgymnastik lockert Glieder und Gemütslagen der ganzen Familie meist schnell auf.

Auch das noch . . . nichts vergessen?!

Passende Kleidung und Schuhe für alle Eventualitäten: luftig, warm, kalt, regen-wind- und wanderfest – je nach Reiseziel. Überfordern Sie ihre Kinder und sich selbst bitte nicht durch ehrgeizige körperliche Aktionen in der sicherlich reizvollen Umgebung. Zu schnell vergällt stressiger Frust die ersehnte Reiselust.

Kinder haben andere Interessen als Erwachsene und dies sollten wir akzeptieren: statt Schlösser, Kirchen, Altstädte oder Geschichte ist immer wieder „action pur“ angesagt. Abenteuerspielplätze sind auch für uns Erwachsene oftmals wahre Orte der Erholung und Ertüchtigung. Wegen schmerzhaftem Sonnenbrand oder gar gefährlichem Sonnenstich ganz zu schweigen von späterer Hautkrebsgefahr ist Sonnenschutz grundsätzliche Pflicht: Kleinkind mit Nackenschutzmützchen, Baseballkappe oder ein elegantes Sonnenhütchen sind unverzichtbar. wiederholtes Eincremen mit UV-Filter (Mindestlichtschutzfaktor 50). Dosieren und überwachen Sie das Sonnenbad ihrer Kinder verantwortungsvoll und konsequent –schon aus eigenem Interesse! Babys brauchen nicht nur wegen ihrer zarten Haut dauernden Schattenschutz, sie leiden auch schnell unter Flüssigkeitsmangel. Zum individuellen Schutz gehört insbesondere bei Auslandsreisen - z.B. USA, Tropen oder Asien - ein vollständiger Impfschutz. Weder exotische Infektionen wie Cholera, Tollwut oder Meningitis noch Tetanus, Keuchhusten, Masern, oder FSME (Zecken) sind ausgestorben. Ihr Haus/Kinderarzt überprüft dazu gerne auch den elterlichen Impfschutz im Impfpass! Ist der eigene Personalausweis noch gültig oder sind gar Kinderpässe erforderlich? Eine Reisekrankenversicherung ist als Schutz vor oftmals sehr hohen Behandlungskosten im Ausland angezeigt!

Was tun bei Krankheit oder Unfall?

Jeder ist zur Ersten Hilfeleistung verpflichtet, unterlassene Hilfeleistung ist strafbar! Ruhe bewahren! Ein sofortiger Hilferuf per Stimme oder Handy ist immer möglich. Grundlegende Notfallkenntnisse über das Erkennen der Schwere einer Verletzung, richtige Lagerung, Herzmassage und Beatmung eines Schwerverletzten sollte jeder besitzen. Nicht nur Ärzte empfehlen Erste-Hilfe-Kurse zur Auffrischung vergessenes oder überholtes Wissen bei örtlichen Rettungsorganisationen – auch für Jugendliche.

In der nachstehenden Tabelle habe ich den Inhalt einer gut bestückten Reiseapotheke zusammengestellt. So können Sie Prellungen, Abschürfungen, Platzwunden, Insektenstiche sowie häufige Symptome wie Fieber, Durchfall, Erbrechen oder Kopfschmerzen als Erstversorger fachgerecht behandeln.

Familienurlaubsreisen bringen immer wieder neue Erlebnisse wobei ein gesunder „Stress“ mit gemeinsam erfolgreich bewältigten Hindernissen in gegenseitiger Rücksichtnahme meist lebenslang in unvergesslicher Erinnerung

bleiben.

Kommen Sie alle heil und erholt in die Heimat zurück!

Weiter Informationen über Reisemedizin:

Reisemedizin: fit-for- travel.de und www.gesundes Kind.de

www.kinderaerzte-im-netz.de und rki.de und www.impfen-aktuell.de

 

 

Reiseapotheke

Notfall-Infokarte: Regionale Notrufnummer (BRD 110 oder 112) mit wichtigen Diagnosen sowie regelmäßige verordnete Medikamente. Ausreichender Vorrat für z.B. chronischen Krankheiten wie Diabetes, Anfallsleiden, Asthma bronchiale.

Adresse zu benachrichtigendem Verwandten im Notfall hinterlegen

Schere, Pinzette (Zecken), Fieberthermometer digital

Einmalhandschuhe, Mundschutz, Handdesinfektionslösung

Pflaster verschiedener Größe, Kinderpflaster,

(Leukosilk), Stripverbandsstreifen, Verbrennungsfolie.

Mullbinden (6,8cm), sterile Kompressen, Elastische Binde

Wunddesinfektion: Antiseptische Salbe und Spray (PVP- Jod/ Nebacetin), Kühlendes Gel, Vereisungsspray,

Repellents gegen Mückenstiche - nicht bei Babys

Medikamente

möglichst kühl lagern, auf alters/gewichtsabhängige Dosierung achten!

Schmerz und Fiebermittel: Ibuprofen, Paracetamol als Tbl. Zäpfchen oder Saft

Durchfall: „Imodium“, Elektrolytlösung „Oralpädon Tbl“ oder Kochsalzlsg.

Erbrechen-Übelkeit- Reisekrankheit: Dimenhydrat „Emesan“

Allergie: „Cetirizin“, Augen/Nasentrpf., Kortisontrpf. /Tbl, Saft/Supp (Rectodelt)

Infektion: Auge- und Nasentropfen zum Befeuchten (Nacl) oder Antibiotika

Hustensaft als Schleimlöser (z.B. Bisolvon, Acetylzystein),

Codeintrpf. bei starkem Hustenreiz-auf Alter achten

Gezielte Antibiotikatherapie jeweils nach ärztlicher Konsultation . . .

Bei akut bedrohlichen, schweren oder länger als zwei Tage

anhaltenden Beschwerden, sollte immer ein Arzt oder das

nächste Krankenhaus aufgesucht werden.

Alternative Behandlungsmethoden sind bei akut schweren

Erkrankungen als alleinige Eigentherapie nicht angezeigt.

 

Über den Autor

Dr. med. Josef Geisz
Dr. med. Josef Geisz
Kinder-Jugendarzt/Allergologie, Wetzlar
Aktuelle Ausgabe4/2019