Trinkwasser- Hygiene im privaten Haushalt

Die wachsende Bevölkerung und Industrie, der steigende Wohlstand und der Klimawandel machen Wasser zu einem der kostbarsten Güter in unserem Leben. Aufgrund dessen sollten bereits bei der Planung der Trinkwasserinstallation im Haus alle nötigen Maßnahmen getroffen werden, um dem Verbraucher ein einwandfreies Wasser zu liefern. Hierbei sollten natürlich auch die Vorgaben und Normen berücksichtigt werden. Das aufbereitete Trinkwasser in Deutschland ist das sauberste und am besten untersuchte Lebensmittel. Es ist möglich, das Wasser direkt aus dem Wasserhahn zu genießen oder es ggf. mit Kohlensäure anzureichern, ohne dass eine weitere Aufbereitung des Trinkwassers nötig ist.

Trinkkannenfilter dienen dazu, das Wasser zu enthärten und Geruchsstoffe und Schwermetalle zu binden. Diese Filter nutzen wir, damit der Kaffee besser schmeckt. Es ist wichtig, diese regelmäßig und rechtzeitig auszutauschen, da sich in feuchten Filtern Keime vermehren und sich ungewünschte Substanzen anreichern. Bei verzögertem Filterwechsel werden diese in noch höherer Konzentration in das Filterwasser ausgeschwemmt und wirken gesundheitsschädlich.

Das Wasser in Deutschland entspricht einem Standard nach der Trinkwasserverordnung 2001 (novelliert 2011). In dieser Verordnung sind Parameter festgelegt, auf die jedes Trinkwasser regelmäßig untersucht werden soll. Die Überwachung dieser Kontrollen erfolgt durch regionale Gesundheitsämter. Nur akkreditierte und dafür zugelassene Laboratorien dürfen Wasseruntersuchungen vornehmen. Jeder positive Nachweis von Coli-Bakterien, welche zu Durchfall führen können, oder von Legionellen, die eine Lungenentzündung hervorrufen können, wird dem Gesundheitsamt gemeldet. Es müssen umgehend Sanierungsmaßnahmen vorgenommen werden, um den Fehler zu beheben.

Vermieter ab Zwei- und Mehrfamilienhäuser sind verpflichtet, das Warmwasser regelmäßig auf Legionellen untersuchen zu lassen.

Legionellen sind Bakterien, die sich im warmen Wasser sehr wohlfühlen und sich entsprechend stark vermehren. Sie können beim Duschen über Wasserdampf und Aerosolen eingeatmet werden. Bei immunschwachen Personen kann es durch die Keime zu einer Infektion kommen, die Legionärskrankheit genannt wird und mit einer schweren Lungenentzündung einhergeht. Die Zirkulationstemperatur des Wassers sollte stets 55°C betragen, damit Legionellen keine Chance bekommen, sich in der Wasserleitung zu vermehren.

Wasserkeime vermehren sich am schnellsten in Wasserleitungen, von denen Wasser gar nicht oder nur selten entnommen wird. Diese Wasserleitungen nennt man Stagnationsleitungen oder Totstränge. Die Keime haften an der Innenwand der Rohre und bilden dort eine Schleimschicht (Biofilm), die sie vor Einflüssen der Umwelt und vor Desinfektionsmittel schützt. Somit können die Wasserkeime leicht in alle Wasserleitungen im Hause einschwemmen und diese kontaminieren. Damit dies nicht passiert, sollten die Armaturen (z. B. Keller, Garage) täglich geöffnet und für mindestens zwei Minuten unter vollem Druck gespült werden. Nach längerer Abwesenheit (z. B. Urlaub) wird empfohlen, das Wasser für 10-15 Minuten aus allen Armaturen laufen zu lassen. So können eventuell angesammelte Substanzen und Keime vollständig ausgespült werden.

Die auf den Auslauf von Armaturen geschraubten Perlatoren verkalken und verkeimen im Laufe der Zeit und sollten deshalb alle 6 Monate mit Essigreiniger gereinigt bzw. ausgetauscht werden.

Der Zwang, Wasser zu sparen, auch weil Wasser immer teurer wird, kann durch die verringerte Fließgeschwindigkeit eine negative Wirkung auf die Wasserqualität haben. Darüber hinaus wird der Aufwand für die Wartung der Abwasseranlagen größer, wenn weniger Wasser duch die Leitungen fließt.

Für weitere Informationen, telefonische Beratung oder für Wasseruntersuchungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Sie erreichen uns unter der Telefonnummer 02771 / 80 20 33 oder per Mail unter hygiene@ldm-labor.de

Adresse:
MVL Labordiagnostik Mittelhessen GmbH

Ursulum 1                          
35396 Gießen

Hindenburgstr. 15
35683 Dillenburg

Über den Autor

Dr. med. Olga Keksel
Dr. med. Olga Keksel
Fachärztin für Mikrobiologie
Virologie und Infektionsepidermiologie
Krankenhaushygiene

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