Hitzefrei - schweißtreibende Zeiten für Parkinson-Patienten

Schweißdrüsen gehören wie die Talgdrüsen zu den Hautanhangsgebilden. Sie produzieren Schweiß, eine sehr wichtige wässrige Körperflüssigkeit. Er ist Teil der Temperaturregulation und überzieht die Haut mit einem Säureschutzmantel. Frischer Schweiß ist geruchslos und die ihn produzierenden Drüsen sind über die gesamte Haut verteilt. Der Vorgang des Schwitzens wird Transpiration oder Diaphorese genannt. Krankhaft übermäßiges Schwitzen nennt man Hyperhidrosis, wird zu wenig oder gar kein Schweiß produziert, spricht man von einer Hypohidrosis bzw. einer Anhidrosis.

Die wichtigste Aufgabe des Schwitzens ist die Kühlung, welche durch die Verdunstung von Schweiß auf der Haut entsteht. Überschüssige Wärme wird abgegeben, um die Körpertemperatur stabil zu halten, denn größere Abweichungen der Temperatur nach oben oder unten würde zu Störungen des Stoffwechsels in den Körperzellen führen. Geringe Mengen Schweiß werden immer produziert, er dient der Befeuchtung der Haut und dem Säureschutzmantel. Durch einen sauren pH-Wert schützt sich die Haut vor Krankheitserregern.

Viele Parkinson-Patienten leiden unter einem sehr starken, exzessiven Schwitzen, einer Hyperhidrosis. Ursächlich wird eine Fehlinnervation der Schweißdrüsen infolge einer gestörten Temperaturregulation angenommen. Schweißausbrüche treten oft in der Nacht auf, wenn der Dopaminspiegel sehr gering ist. Die Betroffenen wachen völlig durchnässt auf und müssen Schlafanzug und Bettwäsche wechseln, manchmal sogar mehrfach in der Nacht. Ausgeprägtes Schwitzen ist tagsüber ein typisches Symptom einer OFF-Phase (geringe oder fehlende L-Dopa Wirkung), jedoch auch in den Phasen der guten Beweglichkeit (beste L-Dopa Wirkung) ist übermäßiges Schwitzen dann möglich, wenn diese ON-Phasen mit starken Überbewegungen (Dyskinesien) einhergehen. Ein verstärkter Körpergeruch infolge profuser Schweißausbrüche wird häufig von den Patienten nicht wahrgenommen, da sie krankheitsbedingt wenig oder gar nicht mehr riechen können.

Therapie

  • Bettwäsche und Nachtwäsche zum Wechseln neben das Bett legen

  • Vermeiden von Getränken oder Nahrung, welche Schwitzen provozieren, z.B. Alkohol, Kaffee oder stark gewürzte Speisen

  • Verwenden Sie Antitranspirantien (Spray, Roller), sie reduzieren exzessive Schweißbildung und Körpergeruch wirksam

  • Tragen Sie keine eng anliegende Kleidung oder Kleidung aus Kunstfasern

  • Tragen Sie Kleidung, welche keine Schweißmarken erkennen lässt

  • Kleben Sie Achsel Pads in die Kleidung, welche übermäßigen Schweiß aufsaugen und die Kleidung vor Schweiß- und Deoflecken schützen

  • Tragen Sie Socken aus Naturfasern, z.B. Baumwolle, oder Sportsocken, welche Feuchtigkeit aufnehmen können

  • Wechseln Sie Socken und Kleidung mehrfach täglich

  • Tragen Sie Lederschuhe und ziehen Sie diese sofort aus, wenn es möglich ist

  • Versuchen Sie Situationen zu meiden, die starkes Schwitzen auslösen können, z.B. Aufenthalt in überhitzten oder überfüllten Räumen

  • Medikamente

  • ON-Schwitzen - Betablocker

  • OFF-Schwitzen - L-Dopa oder andere dopaminerge Medikamente

  • Botoxinjektionen gegen Achsel- oder Fußschweiß

  • Capsaicin haltige Cremes lokal auftragen


Hypo- oder Anhidrosis

Einige Patienten berichten über eine zu trockene Haut und ein vermindertes oder völlig fehlendes Schwitzen. Dies tritt oft bei atypischen Parkinson-Syndromen (z.B. bei der Multisystematrophie) auf. Ursache ist eine Störung der autonomen Nervenfasern, welche die Schweißdrüsen anregen. Jedoch können auch Medikamente mit anticholinerger Wirkung die Funktion der Schweißdrüsen hemmen. Da physiologisches Schwitzen eine wichtige Funktion im Rahmen der Temperaturregulation des Körpers einnimmt, ist fehlendes Schwitzen mit der Gefahr einer Überhitzung bis zum Hitzschlag verbunden. Neben einer direkten Schädigung der Schweißdrüsen kommen auch bestimmte Nervenerkrankungen als Auslöser einer Anhidrose in Frage. Die Schweißbildung ist gestört, wenn die sympathischen Nervenfasern geschädigt sind, welche die Schweißdrüsen steuern.

Therapie:

  • Trinken Sie ausreichend

  • Meiden Sie Hitze und anstrengende Tätigkeiten

  • Gehen Sie schwimmen (wenn krankheitsbedingt ohne Gefahr möglich)

  • Befeuchten Sie die Haut mit speziellen Hautpflegeprodukten (Lotionen, Pflegemilch)

  • Nutzen Sie Feuchtigkeitssprays

  • Nutzen Sie hygienische Luftbefeuchter

Über den Autor

Dr. med. Ilona Csoti
Dr. med. Ilona Csoti
Ärztliche Direktorin
Gertrudisklinik Biskirchen
Aktuelle Ausgabe2/2018