Chirurgischer Ratgeber: Wundversorgungen im Kindesalter

Unfallverletzungen sind einer der häufigsten Gründe zur Inanspruchnahme der ärztlichen Hilfe in einer Notfallambulanz, im Kleinkindalter geschehen die Unfälle am häufigsten in der häuslichen Umgebung.

Wunden stehen im Vordergrund

Der Großteil aller kindlichen Unfallfolgen kann ambulant versorgt werden, Wunden spielen die Hauptrolle neben Gehirnerschütterung, Prellungen und Brüchen. Die Wunden entstehen durch Quetschungen, Abschürfungen, Risse, Stiche, Ablederungen, Schnitte, heißes Wasser und glühende Gegenstände und Kochflächen, Pfählungen und Bisse, voran Katzen und Hunde. Die häufigsten Wunden entstehen infolge einer stumpfen Gewalteinwirkung am Kopf.

Erstversorgung zu Hause

„Nerven behalten“! Die Aufregung ist groß und verständlich, die Ruhe als Erwachsener bewahren und das weinende Kind beruhigen, steht im Vordergrund.

Viele oberflächliche Bagatellverletzungen können durch die Eltern versorgt werden, eine Reinigung unter fließendem Leitungswasser und eine Pflasterversorgung können erfolgen.

Stark verschmutzte Wunden, stärkerer Blutungen, Wunden die tief erscheinen sowie alle Biss-, Verbrennungs- und Verbrühungswunden müssen rasch in ärztliche Behandlung. Bei stärkeren Blutungen sollte ein Druckverband angelegt und der Rettungsdienst gerufen werden, der für alle schweren Verletzungen zur Notfallbehandlung bereit steht.

Im Notfall – Notruf 112

Besteht eine Gefahrensituation für das Kind müssen Sie oder ein weiterer Erwachsener gleichzeitig kompetente Hilfe rufen. Sie werden gefragt:

Wo ist der Unfall geschehen (Adresse)?

Was ist geschehen (Unfallhergang, Gefahren)?

Wie viele Verletzte gibt es. Wie alt ist das Kind?

Welche Art von Verletzung liegt vor (Bewusstseinsstörung, Verbrühung usw.)?

Warten Sie auf genaue Anweisungen, bevor Sie Auflegen (Informationsverlust)!

Ärztliche Behandlung in der Notfallambulanz

Die Prinzipien der Wundbehandlung sind die Wiederherstellung der normalen Funktion, die Schmerzbehandlung und Schmerzverringerung, die Vermeidung von Infektionen, der Tetanusschutz und eine gute Kosmetik.

In Abhängigkeit von Größe und Schwere einer Wunde und deren Begleitumstände muss entschieden werden, welche Methode zur Schmerzverminderung angewandt wird, ob in örtlicher Betäubung, schlafähnlicher Beruhigung oder Narkose.

Der Zeitrahmen, eine Wundversorgung auszuführen, sollte frühestmöglich sein, nach neuesten Erkenntnissen kann eine Wundversorgung auch nach mehr als 12 Stunden und im Gesicht innerhalb von 24 Stunden vorgenommen werden.

Wunden durch Tierbisse (Katzen und Hunde)

Der Speichel der Tiere enthält eine bakterielle Besiedelung mit besonders hoher Infektionsgefahr, selbst kleinste Bisse, wie von Katzen an Hand oder Gesicht bergen ein hohes Risiko für sich rasch entwickelnde, komplizierte Weichteilinfektionen. Jede Bissverletzung bedarf der „Ausschneidung“ der Wunde und eine Antibiotikabehandlung zur Infektverhütung.

Behält mein Kind eine Narbe?

Gerade bei Gesichtsverletzungen wird die Sorge deutlich, ob eine Narbe verbleibt. Die Frage muss grundsätzlich mit „JA“ beantwortet werden, die Ausdehnung der Narbenbildung ist abhängig vom Entstehungsmechanismus und der Verlaufsrichtung der Narbe zu den Hautspannungslinien, insbesondere wenn diese „gekreuzt werden“, schwere Narbenbildungen sind nach Verbrennungen und Verbrühungen zu erwarten.

Besonderheiten bei Verbrennungen/Verbrühungen („thermische Schädigung“)

Die richtige akute Behandlung in der Notfallsituation ist genauso wichtig wie die folgende stationäre Therapie, die bei Säuglingen und Kleinkindern sehr oft in medizinischen Verbrennungszentren erfolgt. Seit 2008 gibt es in Deutschland eine indisziplinierte Leitlinie (S2k AWMF-Leitlinie) mit klaren Empfehlungen zur Behandlung thermisch verletzter Kinder.

Die Folgen schlimmer Verbrennungen/Verbrühungen benötigen langwierige Spezialmaßnahmen, deren Ziele es sind, freie Gelenkbeweglichkeit zu erreichen, die Qualität von Haut und Narben zu verbessern und ein gutes kosmetisches Ergebnis zu erreichen. Schwerstbrandverletzte benötigen eine psychosoziale Betreuung auch der Eltern.

Unfälle vermeiden, dies wollen Alle, einige „Ratschläge“:

  • Umso jünger die Kinder, desto wichtiger ist die Beaufsichtigung
  • Kindersicherungen zur Entschärfung von Gefahrenquellen benutzen
  • Kinder altersgemäß die Handhabung von Haushalt -und Sportgeräten immer wieder erläutern
  • Kinder immer wieder auf Gefahrenquellen hinweisen

Über den Autor

Dr. med. Klaus-Dieter Schiebold
Dr. med. Klaus-Dieter Schiebold
Aktuelle Ausgabe2/2018